Unsere Bücherkiste zur Inklusion

Wir wollen die inklusive Gesellschaft. Das sollte im Kindergarten anfangen. Wenn sich Kinder mit und ohne Behinderung früh begegnen, wenn ihre Fragen selbstverständlich beantwortet werden, wenn sie ungezwungen miteinander aufwachsen, dann wird Inklusion für sie zur Normalität.

Mit dieser Bücherkiste für kleinere (Kindergarten) und größere Kinder (bis 12 Jahre) hoffen wir, Denkanstöße in diesem Sinne zu geben. Es ist nämlich ganz normal und menschlich, verschieden zu sein!

Die Bücherkiste ist nach Alter geordnet. Zu jedem Buch haben wir eine knappe Buchbesprechung gemacht, um die Lese-Auswahl zu erleichtern.

Die Hamburger Bücherhallen haben inzwischen ihre Bücher thematisch geordnet, aber noch sucht man den Bereich Inklusion vergebens. Dennoch, viele der von uns hier vorgeschlagenen Bücher kann man dort finden.

Wir lesen noch für Euch.... Gern nehmen wir von Euch Buchvorschläge entgegen.

Elizabeth Shaw: Das kleine schwarze Schaf

Beltz, Der KinderbuchVerlag, 2005

In einer Herde weißer Schafe gibt es ein einziges schwarzes Schaf. Das wäre gern auch weiß wie die anderen, aber der Schäfer mag es gerade so, wie es nun mal eben ist, ein bisschen anders.
Im Laufe der Geschichte stellt sich dann aber heraus, dass es ein Glück ist, dass eines der Schafe ein schwarzes Fell hat. Auch wenn der Hütehund gern alle Schafe weiß hätte und am liebsten das Schwarze verkaufen möchte, macht der Schäfer etwas ganz anderes: Er kauft noch mehr schwarze Schafe und hat jetzt eine hübsche schwarzweiße Herde, in der jedesTier einmalig gemustert ist.

Ein Vorlesebuch ab 4 Jahren, ansonsten Grundschüler ab Klasse 2.

 

Mathias Sodtke: Bist du krank, Rolli-Tom?

Verlag Ute Fuchs, 2021

Der im Zauberrollstuhl sitzende Hase Tom trifft seinen alten Schulfreund Nulli wieder.
Gleich will dieser aus Mitleid mit dem "Kranken" diesen höchst übergriffig bemuttern. Da schreit ihn Tom plötzlich an: Ich bin nicht krank, Ich kann nur nicht laufen. Was an mir kaputt ist, das sind nur meine Beine!
Der grüne Freund Priesemut hat ganz andere Wünsche: Er will auch mal in dem Zauberrolli fahren ....
Und jetzt wird es wirklich inklusiv:
Lest selber, was die drei zusammen
machen.....

Renate Welsh, Drachenflügel

dtv Erstausgabe 1992

Anne, die Protagonistin des Romans, ist ein einsames, schüchternes, stilles Mädchen, das mit ihrem schwerstbehinderten älteren Bruder Jakob und den Eltern recht isoliert lebt. Die Pflege des 17jährigen fordert von der Mutter viel Zeit und Kraft: Jakob muss gefüttert und gewindelt werden, er sitzt im Rollstuhl und kann den Kopf nicht aus eigener Kraft halten. Immer wieder bekommt er Krampfanfälle, die die Familie in Panik versetzen. Anne fühlt sich nicht nur verpflichtet, die Eltern bei der Pflege zu unterstützen, sie liebt Jakob aus ganzem Herzen, versteht seine "Sprache" und weiß genau, was ihm gefällt und ihn zum Lachen bringt.
Genau so sensibel wie ihre Mutter, stört sie das klebrige Mitleid, das andere Menschen Jakob gegenüber zeigen; aber auch interessierte Nachfragen von Anderen sind ihr peinlich. Mit dieser Haltung verhindert sie jegliche Kontaktaufnahme, ist auch in der Klasse sehr isoliert. Da kommt Lea in ihre Flötengruppe und es scheint, dass Lea Anne aus ihrer Isolation lockt. Sie lässt sich von Annes Zurückhaltung nicht abschrecken, zeigt ihre Gefühle für Anne und lässt sich auch von Jakob nicht abhalten...
Das Buch zeigt die oft wenig beleuchtete Geschwistersituation, wenn eines der Kinder behindert ist. An der völlig überarbeiteten Mutter kann Anne sich nicht anders orientieren. Es fehlt an mutigen Vorbildern, die allen Beteiligten ein freieres Eigenleben ermöglichen würden.

Das Buch wurde vor etwa 30 Jahren geschrieben, damals war eine inklusive Gesellschaft wohl noch ganz undenkbar. Dabei zeigt Lea, wie einfach alles sein könnte...
Übrigens: zu diesem Buch gibt es ein Unterrichtsmodell.
(Altersempfehlung 11-13 Jahre)